Fachbuch oder Roman, das ist hier die Frage…

Ich genieße das große Privileg zu meiner wundervollen Arbeit mich wieder weiterbilden zu dürfen. Heilpädagogik und BA Social Management ist mein Weg und Ziel und ich bin so glücklich damit. Dazu gehört nach langer Zeit mal wieder das Fachbücher wälzen und wie bereits in meiner ersten Berufsausbildung liebe ich es, wie in einen Roman in pädagogische Theorien und Fallbeispiele zu versinken. Nun gesellt sich zu meinem ohnehin schon sehr hartnäckigen Tick, immer ein Buch dabei haben zu müssen, immer auch ein Fachbuch dabei haben zu wollen. Frau möchte sich schließlich überall offen halten, etwas zur Bildung oder Entspannung zu lesen. So wandern mit mir durch alle Zimmer der Wohnung und Handtaschen der kleine Stapel Bücher mit.

Die Herausforderung maximiert sich jedoch, durch Leihzeiten der Onleihe, der Bibliothek und der Vorgaben des Lernstoffs, sodass hier schon fast ein kleines Hobby entsteht, meine Lesezeiten zu koordinieren und die Bücher zu planen. Gerne möchte ich aber auch das Bloggen nicht vernachlässigen und da erhoffe ich mir aus psychologischen Fachbüchern keine allgemein tauglichen Berichte.

Zur Zeit lese ich mindestens eine halbe Stunde in den Fachbüchern direkt nach der Arbeit und am Morgen zum ersten Kaffee und am Abend auf der Couch einen Roman. Über die Konsequenz dieser Planung wahre ich jetzt einmal Stillschweigen, denn beide Bücher können mitunter spannend sein und nicht aus der Hand gelegt werden.

Wer kennt dieses Dilemma? Wer hat andere Lösungen? Und ist es wirklich so ungewöhnlich in Schnappatmung zu verfallen, wenn man bemerkt, dass in der Handtasche kein Buch ist?

Das Paket – Sebastian Fitzek

Herr Fitzek und ich hatten einen schlechten Start. Bestseller Autoren haben es zusätzlich besonders schwer bei mir. Doch dann las ich Noah, eine feurige Liebe entstand und wir fanden doch noch zueinander. Mit „Das Paket“ hat er das zarte Band unserer Beziehung auf eine harte Zerreißprobe gestellt.

Eine Frau wird in ihrem Hotelzimmer überfallen und missbraucht von einem Täter, den sie den Frisör nennen, denn er entfernt seinen Opfern die Haare. Mit diesem Trauma versucht die Protagonistin ihr Leben zu meistern und erfährt dazu noch weitere. Ihre psychischen Schäden finden beginnend viel Beachtung. Hier beginnt es dann aber völlig auszuufern. Gefühlt beginnen nun mehrere Geschichten mit exakt einer Person. Diese Erzählzweige werden jedes Mal so im Detail aufgebaut, dass zunächst klar ist, dass sie an die Hauptgeschichte anschließen, aber mitnichten. Ich habe recht schnell den Überblick verloren, wo sich hier der rote Faden findet, außer, dass es dabei immer um ebendiese Frau geht. Am Ende steht der Leser vor vielen offenen Fragen, die in einer für mich nicht nachvollziehbaren Weise überstürzt und nicht rund aufgelöst werden. Ich bin maßlos enttäuscht und habe nicht mit so einer Enttäuschung gerechnet.

Das Buch als solches ist jedoch ein Bestseller, habe ich da irgendwas fehlinterpretiert oder nicht verstanden. Bitte schreibt mir, wenn es jemanden gibt, dem es genauso geht.

Die Schatten von Edinburgh – Oscar de Muriel

Kein Buch eignet sich besser für einen regnerischen Herbstnachmittag als ein Krimi, der einen ins alte London entführt. Ian Frey ist ein Engländer, wie er im Buche steht. Er hat vortreffliche Manieren und er ist immer gut angezogen und er ermittelt nicht immer auf konventionelle Art und Weise. So passiert es, dass er nach Schottland zwangsversetzt wird.  Dieser Umstand wirft den smarten Briten ziemlich um, doch nicht genug trifft er dort auf seinen neuen Vorgesetzten. Mc Gray ist ein Schotte mit ganzem Herzen, der mit seiner ungehobelten, poltrigen Art für den englischen Kulturschock sorgt und mich immer wieder zum Lachen gebracht hat. Der Umgang der beiden ist nahezu das Beste am ganzen Roman, doch auch die Geschichte ist raffiniert und spannend.

Ein Musiker wird tot aufgefunden in einem abgeschlossenen Raum, in dem ihn seine Haushälterin gerade noch spielen hörte. Spielte der Tote mit dem Teufel? Ein scheinbar unlösbares Rätsel, welches bis zum Schluss Fragen aufwirft. Das Buch kann es ohne Weiteres mit der Raffinesse und des Charmes eines Sherlock Holmes aufnehmen und hat sich leider als Reihe entpuppt, sodass ich in meiner unbändigen Abhängigkeit in eine weitere Serie gerutscht bin.