Der Galgen von Tyburn

Endlich wieder ein Peter Grant. Nach dem letzten Teil Fingerhutsommer sind schon einige Wochen vergangen und es kribbelte wieder, dringend Zeit für einen neuen Ausflug in den Untergrund Londons.

Im mittlerweile sechsten Teil der Serie um den magischen Ermittler, werden viele alte Beziehungen und Konflikte wieder aufgegriffen, was für mich in diesem Teil auch absolut im Vordergrund stand. Als ich mich im Anschluss gefragt habe, was eigentlich genau den Fall ausgemacht habe, konnte ich es gar nicht genau greifen. Es wurde an vielen Stellen ermittelt, ein klassisches Verbrechen mit dem Tod eines Teenagers ist zunächst der Ausgangspunkt aller Verhöre. Die Freundinnen des Opfers wollen zunächst nichts damit zu tun haben. Die Nachforschungen führen Peter schnell über die Grenze zu seinem Privatleben, denn ins Visier der Ermittlungen gerät die Familie um Lady Ty, zu der auch seine Freundin Beverly zählt. Auch eine alte Bekannte lässt sich wieder blicken und bringt alte Gefühle und brachliegende Fälle wieder in den Fluss.

Die Peter Grant Bücher beinhalten immer die Garantie für einen besonderen englischen Humor. Die gleichzeitige Mitwirkung des Autors an der Doctor Who Serie ist für mich immer wieder spürbar. Die Geschichte ist sicherlich nicht die Stärkste der Reihe, jedoch sind die Charaktere und ihre Beziehungen mittlerweile so gefestigt für mich als Leser, dass ich ab der ersten Seite völlig einsteigen kann und mich gleich wieder wohl fühle.

Das Labyrinth von London – Benedict Jacka

Ein absoluter Coverkauf ist dieses wunderschöne Exemplar. Meine Liebe zu allem Fantastischen hat mich so geblendet, dass ich nicht einmal bemerkt habe, dass ich damit ohne Sicherheitsgurt in eine (nach aktuellem Stand) 10(!!!) teilige Reihe gerutscht bin, von denen jetzt das Erste ins Deutsche übersetzt wurde. Reihen lassen mich immer sehr uneinig zurück, denn nach einer Fantasy oder Horrorgeschichte benötige ich immer einem Genrewechsel. Danach strecke ich meine Fühler meist in alle Richtungen und bis ich zu der Serie zurückfinde, habe ich den Anschluss verpasst und benötige erst einmal eine gewisse Zeit, um in die Geschichte zurückzufinden. Ein großartiger Vorteil ist natürlich, dass man mehr Zeit mit tollen Charakteren verbringen kann.

Im Labyrinth von London durfte ich Alex Verus kennenlernen. Er ist Wahrsager und besitzt einen Laden für Magie. Hier lebte er bisher ein friedliches Leben, hält sich aus den Machtspielen der Londoner Magier heraus. An seiner Seite Luna, eine Empfindsame, die Magie spürt, aber nicht wirken kann. Dazu umgibt sie ein Fluch, der sie vor jeglicher Annäherung schützt, unfreiwilliger, aber eben auch erwünschter. Ein seltsamer Fund zieht sie beide tief in den Untergrund und ein Abenteuer, welches sich keiner der beiden so ausmalen konnte.

Die Geschichte war großartig, spannend und Alex ist ein echt smarter Typ. Parallelen zu Peter Grant, John Taylor und Harry Dresden sind mir dabei immer wieder in den Sinn gekommen und doch hebt es sich ab. Ich befürchte, ich werde mich wohl mal an englische Fantasy wagen müssen, denn bis zur nächsten Übersetzung kann ich sicher nicht warten.

Die Herrenausstatterin – Mariana Leky

Mariana Levy hat mich vor Kurzem erst mit „Was man von hier aus sehen kann“ schwer beeindruckt und entgegen meinem sonstigen Wunsch nach einer Pause von einem Genre oder Autor, erging es mir dieses Mal anders und ich hatte sofort Lust auf eine weitere Geschichte dieser besonderen Autorin.

In diesem Buch begegnete ich Katja, die durch schwere Zeiten hindurch muss und dabei so absolut menschlich ist. Sie verliert ihren Mann, nachdem sie sich gerade erst in ihrem Leben eingefunden hat. Doch was ihr daraufhin passiert, ist das eigentlich Beeindruckende. Die Menschen, die sie nun auf ihrem Weg begleiten, fangen sie auf, ohne es zu beabsichtigen. Einer der beiden weilt nicht einmal mehr unter den Lebenden, der andere klopft nach einem Feuerwehreinsatz zufällig an ihrer Tür, um mit ihr ein wenig Astronautenkost zu trinken. Sie sind mit einer Selbstverständlichkeit an ihrer Seite, die sich jeder in so einer schweren Zeit wünschen würde, nehmen sie mit ihrer Trauer an, wie sie es benötigt.

Wie auch in dem vorangegangenen Buch sind alle Charaktere auf ihre Weise sehr skurril und besonders charmant. Die Dinge, die sie zusammen erleben sind manchmal so herrlich alltäglich, dass es sich anfühlt, als wäre man mit guten Freunden unterwegs. Die Geschichte hat eine besondere Wärme vermittelt, nicht ohne das Fünkchen liebevollen Wahnsinn, auf den ich gehofft hatte.

 

Ich liebe das Leben viel zu sehr – Mathias Malzieu

Mathias Malzieu ist einer meiner liebsten Autoren, seine Geschichten sind so magisch romantisch und fantasievoll und in seiner Sprache verliere ich mich immer wieder gerne. So war ein autobiografischer Roman von ihm quasi Pflichtlektüre.

Das Schwerpunktthema ist dieses Mal jedoch ein nicht so vergnügliches, der Autor erkrankte nämlich vor einigen Jahren an einer Autoimmunerkrankung und beschreibt in seinem Buch, wie sein Körper beginnt ihn zunehmend zu zerstören und wie er anschließend den Kampf aufnimmt. Dies tut er in der selben beeindruckenden Weise, die ich auch in seinen Romanen schätze. Meine liebste Wortschöpfung ist die „Medikamentengarderobe“ für den Infusionsständer.

Krankheit gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsthemen in Büchern, aber die Art und Weise, wie Malzieu seinen Weg beschreitet rückt die Lust am Leben und der Liebe nach jedem Einbruch wieder in den Vordergrund und ich bin so glücklich, dass er so ein Kämpfer ist. Es war mir wie immer eine große Freude Herr Malzieu.

Was man von hier aus sehen kann – Mariana Leky

Über verschiedene Rezensionen stieß ich auf Mariana Leky, die -wie ich nach kurzer Recherche herausfand- in Hildesheim studiert hat, wo ich meine Schulzeit verbrachte,was sofort Sympathiepunkte brachte.

In diesem Roman geht es um Luise und das Dorf, in dem sie lebt. Allen voran um ihre Großmutter Selma, die von Okapis träumt. Nach der Nacht, in der sie dies tut, stirbt einer der Dorfbewohner. Dieser Umstand ist allen Menschen bekannt und verursacht einigen Trubel und jeder der eventuell Gefährdeten trifft sofort letzte Vorkehrungen, wie ein Liebesgeständnis vorbereiten oder letzte Aussprachen zu suchen. Dieser Umstand, so negativ er jedoch scheint, regt in den Bewohnern in erster Linie zum Nachdenken und Sorgen um ihre Nächsten an, was für mich den Kern der Geschichte ausmacht.

Dabei lernt man die Menschen des beschaulichen Dorfes sofort auf eine ganz intime Art und Weise kennen und ich habe mich sofort in jeden Einzelnen verliebt und konnte sie am Ende nur schwer gehen lassen. Auch die Art und Weise, wie sich alle mit ihren -oft auch nicht so charmanten- Eigenarten akzeptieren und unterstützen, hat mich immer wieder berührt.

Der Schreibstil der Autoren war besonders und hat mich von der ersten Seite an mitgenommen. Das Buch und die Autorin zählen für mich zu meinen absoluten Highlights in diesem Jahr.