Die Tochter des Pianisten – Lilian Kim

Manchmal begegnen einem Bücher auf ungewohnte Art. Man liest in einer Gruppe, dass jemand ein Buch geschrieben hat und liest sich die Zusammenfassung durch, was ich häufiger tue, aber selten bleibe ich daran hängen. Dieses Mal war alles anders.

Wir beginnen in Japan und stürzen sofort in die Geschichte. Eine Entführung durch Männer aus Nordkorea. Ein Kind bleibt zurück, eine Ehe steht auf einmal auf dem Prüfstand und nichts ist mehr wie es scheint. Der Leser bekommt Einblicke in ein erschreckendes Regime aus Terror und Lügen, in dem Einzelschicksale dem Staat untergeordnet werden.

Nach einem Zeitsprung lernen wir die nächste Generation kennen, die endlich ihre wahre Herkunft verstehen möchte. Auch hier gibt es erneut spannende Wendungen.

Das ganze Buch hat mich durch starke Charaktere und eine spannende Handlung beeindruckt. Leider hat es dies auch durch Schilderungen eines unfassbar grausamen Staates getan. Phasenweise war ich zutiefst berührt und absolut fassungslos, über das was in der Welt passiert.

Eine absolute Leseempfehlung für Spannung, Liebe, Drama, Familie, Politik, alle die ein gutes Buch lieben.

Die Klinge des Schicksals – Markus Heitz

Ein neuer Heitz Roman, da komme ich natürlich nicht dran vorbei. Es scheint, als könnte dies sogar eine abgeschlossene Geschichte sein und ich nicht für eine weitere Reihe verpflichtet werden. Meinem Gefühl nach gibt es nämlich im Fantasy Segment bald nur noch Serien, was schon sehr anstrengend sein kann, wenn man immer wieder den Anschluss verliert.

Die Klinge des Schicksals ist überraschenderweise eine ältere Frau und die Heldin der Geschichte. Durch das Schicksal wird sie an Orte geschickt, an denen ihre Hilfe benötigt wird. Ihre dortigen Bekanntschaften machen die Erzählung sehr lebendig und auch einige Nebencharaktere bieten interessante Handlungsstränge. Es kommt hier immer wieder zu Spannungsspitzen, die einen festhalten. Besonders interessant finde ich die Verwendung der Elektrizität in einer Welt, die in ihrer Ausstattung eher im Mittelalter anzusiedeln ist. Sie bringt eine Portion Magie und eine außergewöhnliche Würze in das Buch, wenn Waffen auf einmal elektrisch geladen werden können oder plötzlich ein ganzes Dorf zerstören.

Es hat mir viel Vergnügen gemacht und ich konnte den Charakteren durch den Verzicht auf High Fantasy bequem folgen und musste keine Verwandschaftsverhältnisse googlen, was auch mal sehr angenehm war. Insgesamt ein klassischer Heitz. Witzig, einfach schön und doch sehr besonders.

Grimm – Christoph Marzi

Eine Hommage an die Gebrüder Grimm, Märchen. Alleine der Titel reichte aus, um mich dieses Buch zu entscheiden. Doch Entscheidungen zwischen mir und Christoph Marzi sind selten unproblematisch.

Die Märchenfiguren, zumindest die bösen treten in die reale Welt, von wenigen bemerkt. Eine dieser wenigen ist ein Mädchen mit Problemen, mit der Welt auf Kriegsfuß. Sehr lange beschäftigt sich die Geschichte damit sie in ihrem Alltag, teils deprimiert, teils zerstörerisch wandeln zu lassen. Dann der erste Kontakt mit den Figuren, ein Junge tritt in ihr Leben, den Rest kann man sich denken. Aber was passiert mit der Märchenwelt? Für mich zu wenig. Die Grundidee ist stark und hätte für mich noch viel weiter ausgebaut werden können. Stattdessen hält sich die Handlung an Themen auf, die das Ganze für meinen Geschmack nicht weiterbringen.

Die letzten 50 Seiten habe ich aus Respekt vor mir selbst und meiner Zeit sich selbst überlassen und mich zu richtigen Abenteuern aufgemacht. Selten, aber dieses Mal von mir keine Empfehlung.