Bye, bye Baby!

Lange lese ich schon ausschließlich elektronisch, obwohl ich mich lange dagegen gewehrt habe. Bücher riechen immerhin viel besser, das Geräusch einer geblätterten Seite geht für mich schon als Kurzmeditation durch. Aber E-Book Reader sind einfach unschlagbar praktisch, vor allem seit sie leuchten.

Eine Entscheidung musste ich vor circa 5 Jahren nicht wirklich treffen, denn ich war ein großer Amazon Fan und da war es naheliegend auch von dort einen Reader zu wählen und auch der Nachfolger vor 3 Jahren war von dort. Perfekt waren für mich vor allem die Buchempfehlungen, die immer auf mein Leseverhalten abgestimmt waren.

In diesem Punkt hat Amazon stark nachgelassen, ich bekomme mittlerweile mehr Empfehlungen, die darauf abzielen die ungeliebten KindleUnlimited Bücher an den Leser zu bringen. Dazu hat sich seitdem auch mein Kaufverhalten verändert. Ich schätze immernoch die Schnelligkeit und permanente Verfügbarkeit einer Amazon Bestellung, doch habe ich nun mehr die lokalen Geschäfte im Blick, denn Amazon braucht mein Geld nun wirklich nicht.

Ein weiterer Punkt ist für mich die OnLeihe, bei der ich Bücher aus der Stuttgarter Stadtbibliothek beziehen kann, bisher jedoch nur über mein Tablet (auf dem ich sehr ungern lese). So landetet ich beim Buchhandel Osiander, der mit Sitz in Tübingen hauptsächlich in Baden-Württemberg vertreten ist und seit kurzem der Tolino Allianz angehört. Der Tolino beherbergt eine für mich sehr interessante Neuerung durch das sich verändernde Licht, welches sich in seiner Farbe an die Tageszeit anpasst und dadurch augenschonender sein soll, was meinen Migränekopf aufhorchen lässt.

Es wird also Zeit für ein neues Abenteuer und ich bin schon etwas wehmütig beim Blättern der letzten Seite meines gealterten Begleiters, den auf der Rückseite mein geliebtes Autogramm von Markus Heitz ziert. Ich bin gespannt auf neue Erfahrungen und freue mich, wenn mein neuer Begleiter in den nächsten Tagen bei mir einzieht. Mein alter folgt jetzt einer Tradition und geht auf die Reise zu meiner liebsten Natalie, die dann jetzt auch mit Licht lesen darf.

Im Auge des Leuchtturms – Antonia Michaelis

Bücher von Antonia hebe ich mir immer auf und genieße sie so langsam , wie ich es gerade noch aushalte. Denn ich liebe ihre Sprache, die skurrilen Geschichten, die am Ende so klar und voll bedeutsamer Botschaft sind. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass in unserer Lesegruppe mein Zettel gezogen wurde und ich meine Leidenschaft nun auch teilen konnte.

In dieser Geschichte geht es um Nada, die aus ihrem durchgeplanten, absolut erfolgreichen Leben in die Vergangenheit geschickt wird, um am Meer zu sich selbst zu finden.

Bei aller Euphorie musste ich leider feststellen, dass sich diese Reise phasenweise etwas gezogen hat, das Buch wäre für meinen Geschmack mit hundert Seiten weniger in der Mitte hervorragend ausgekommen. Die Handlung in sich wieder sehr fein abgestimmt, auch wenn man zwischendurch befürchtet es verliere sich alles, findet es doch wieder zusammen. Die Sprache und die vermittelte Stimmung waren ein Highlight, also bleibt eine Empfehlung meinerseits.

Mr Aufziehvogel – Haruki Murakami

Lange nichts geschrieben, denn eine gefühlte Ewigkeit habe ich an diesem 800 Seiten Werk gearbeitet, ja das war Arbeit. Ich liebe Murakami Bücher, dieser Ausstieg aus dem Alltag in eine Parallelwelt, die völlig anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Doch ich hasse Krieg. Wenn ich meine Realitätsausstiegszeit habe, möchte ich über Krieg, Soldaten und deren politische Hintergründe nichts lesen.

In dieser Geschichte war ich immer wieder gespalten zwischen dem Zauber Murakamis, in dem es völlig normal ist, dass ein Mann in einem Brunnen sitzt, um zu sich selbst zu finden und nicht enden wollenden Kriegsschilderungen, die die Geschichte in keiner Weise vorangebracht haben. Dies hat immer wieder zu Zwangspausen geführt, die mich am Ende unzufrieden zurücklassen.

Die Geschichte selbst war das was ich erwartet habe: Ein Mann, Mr Aufziehvogel, der vom Schicksal aus der Bahn geworfen wird und sich in seinem neuen Leben einfindet. Dieser Weg ist dabei auf eine besonders schöne Arz mehr als unlogisch und doch wieder schlüssig. Für einen Ausflug ins surreale Japanparadies kann ich Murakami absolut weiterempfehlen.