Altes Land – Dörte Hansen

Mit Altes Land von Dörte Hansen bin ich mal wieder auf eine Buchperle aus meiner Lesegruppe gestoßen. Ich selbst fand weder das Cover noch den Klappentext ansprechend, aber wer nichts wagt der nichts gewinnt. Und so wurde ich mit einer norddeutschen Familiengeschichte belohnt, die mich mit ihrem Hamburger Charme vollständig für sich eingenommen hat.

Zwei Frauen aus unterschiedlichen Lebenssituationen treffen in einem Haus aufeinander. Vera bezieht ihr Elternhaus und findet sich dort nur schlecht zurecht. Bis eines Tages ihre Nichte Anne vor der Tür steht, die frisch verlassen nun alleinerziehend und hilflos ist. Die Frauen könnten kaum unterschiedlicher sein und doch führt das Schicksal sie zusammen.

Die Geschichte wird getragen von einer wunderschönen Sprache, die gespickt ist mit Hamburger Eigenheiten und hat für mich dadurch etwas von Heimat. Man liest sich schnell in die Charaktere ein und wird von der Geschichte getragen. Wer keinen actionreichen Spannungsbogen erwartet und sich gerne leicht hinwegträumt ist hier genau richtig aufgehoben.

Der goldene Handschuh von Heinz Strunk

Lange war es still hier im Blog. Meine chronische Migräne legt mir phasenweise riesige Steine in den Weg, besonders das Lesen ist für mich dann schwer bis gar nicht möglich. Viele Bücher habe ich in der Hand gehabt und wieder weggelegt und so ist es dann ein augenschonendes Hörbuch geworden.

Der goldene Handschuh war mir aus einem Artikel bekannt, in dem es um die Auszeichnung mit dem Wilhelm-Raabe Preis für diese schräge Geschichte ging. Von einer Freundin bekam ich das nochmal bestätigt, also nahm ich mir das Hörbuch vor. Gelesen wird das ganze vom Autor selbst, der die Geschichte mit seinem Hamburger Dialekt perfekt rüber bringt. Man begleitet in der Geschichte Menschen, wegen denen man sonst eher die Straßenseite wechselt. Menschen am Rande der Gesellschaft mit ihren ganz speziellen Problemen. Wo bekomme ich für die Nacht noch eine Frau her, die sich für ein Bier flach legen lässt und wie wird man die wohnungslose Alkoholikerin am nächsten Morgen wieder los. Die Sprache ist derb, schonungslos und ehrlich. Jeder Körpergeruch trifft einen genauso unvermittelt wie sexuelle Begierden und nackte Überlebensangst. Die Themen sind manchmal so abstoßend, dass man eigentlich nicht mehr hinhören möchte, aber doch irgendwie nicht aufhören kann. Das Buch gleicht zeitweise einem Unfall, den man eigentlich gar nicht sehen möchte aber doch immer wieder guckt.

Trotzdem würde ich es weiterempfehlen, auch wenn es nichts für zart besaitetete ist.