Der Alchimist – Paolo Coelho

Mit dem Alchimisten ist mir eine wunderschöne Fabel begegnet von einem Autor, den man nie einfach so zur Seite legt, der mich immer tief berührt hat.

Santiago ist ein Hirtenjunge aus Andalusien, der mit seiner Schafherde in den Tag hinein lebt. Doch eines Tages wird ihm ein großer Schatz im fernen Ägypten prophezeit und es verändert alles. Wir begleiten den jungen Mann auf einer Reise, die nicht nur in ein fremdes Land geht, sondern auch mental neue Welten eröffnet. Viele Stationen bieten hier viele Einblicke und Gedankenanstöße.

Das Buch ist dabei aber weder religiös noch aufdringlich belehrend. Es ist viel mehr ein zärtliches, friedvolles an die Hand nehmen, ähnlich wie es mir bei Momo ging. Ich habe das Buch und seine stille Atmosphäre absolut genossen.

Altes Land – Dörte Hansen

Mit Altes Land von Dörte Hansen bin ich mal wieder auf eine Buchperle aus meiner Lesegruppe gestoßen. Ich selbst fand weder das Cover noch den Klappentext ansprechend, aber wer nichts wagt der nichts gewinnt. Und so wurde ich mit einer norddeutschen Familiengeschichte belohnt, die mich mit ihrem Hamburger Charme vollständig für sich eingenommen hat.

Zwei Frauen aus unterschiedlichen Lebenssituationen treffen in einem Haus aufeinander. Vera bezieht ihr Elternhaus und findet sich dort nur schlecht zurecht. Bis eines Tages ihre Nichte Anne vor der Tür steht, die frisch verlassen nun alleinerziehend und hilflos ist. Die Frauen könnten kaum unterschiedlicher sein und doch führt das Schicksal sie zusammen.

Die Geschichte wird getragen von einer wunderschönen Sprache, die gespickt ist mit Hamburger Eigenheiten und hat für mich dadurch etwas von Heimat. Man liest sich schnell in die Charaktere ein und wird von der Geschichte getragen. Wer keinen actionreichen Spannungsbogen erwartet und sich gerne leicht hinwegträumt ist hier genau richtig aufgehoben.

Der goldene Handschuh von Heinz Strunk

Lange war es still hier im Blog. Meine chronische Migräne legt mir phasenweise riesige Steine in den Weg, besonders das Lesen ist für mich dann schwer bis gar nicht möglich. Viele Bücher habe ich in der Hand gehabt und wieder weggelegt und so ist es dann ein augenschonendes Hörbuch geworden.

Der goldene Handschuh war mir aus einem Artikel bekannt, in dem es um die Auszeichnung mit dem Wilhelm-Raabe Preis für diese schräge Geschichte ging. Von einer Freundin bekam ich das nochmal bestätigt, also nahm ich mir das Hörbuch vor. Gelesen wird das ganze vom Autor selbst, der die Geschichte mit seinem Hamburger Dialekt perfekt rüber bringt. Man begleitet in der Geschichte Menschen, wegen denen man sonst eher die Straßenseite wechselt. Menschen am Rande der Gesellschaft mit ihren ganz speziellen Problemen. Wo bekomme ich für die Nacht noch eine Frau her, die sich für ein Bier flach legen lässt und wie wird man die wohnungslose Alkoholikerin am nächsten Morgen wieder los. Die Sprache ist derb, schonungslos und ehrlich. Jeder Körpergeruch trifft einen genauso unvermittelt wie sexuelle Begierden und nackte Überlebensangst. Die Themen sind manchmal so abstoßend, dass man eigentlich nicht mehr hinhören möchte, aber doch irgendwie nicht aufhören kann. Das Buch gleicht zeitweise einem Unfall, den man eigentlich gar nicht sehen möchte aber doch immer wieder guckt.

Trotzdem würde ich es weiterempfehlen, auch wenn es nichts für zart besaitetete ist.

Noah – Sebastian Fitzek

Herr Fitzek und ich sind in unserem ersten Kontakt dem „Joshua-Profil“ nicht sehr glücklich gestartet. Es war mir zu reißerisch, es blieb keine Zeit für die Zeichnung der Charaktere, ein Knaller jagte den nächsten und es las sich wie ein Hollywood Film. Durch den Rat einer guten Freundin bekam er jedoch eine zweite Chance, zu Recht.

Noah kann sich an nichts erinnern. Er wird von einem Obdachlosen gerettet und aufgenommen und findet sich in dieser Welt nicht zurecht. Sehr schnell erkennt er ein Bild in den Medien als Erinnerunsfetzen und meldet sich als der weltweit gesuchte Künstler. Dadurch gerät er in einen Strudel verwirrender Machenschaften und in sein altes Leben zurück. Doch hält dies nichts Positives für ihn bereit. Dieses Buch ist an Spannung nicht zu überbieten. In meinem Krankenlager habe ich es fast in einem Rutsch durchgelesen. Die wesentliche Komponente ist für mich die Brücke zu unserer derzeitigen Gesellschaft und mutet fast ein wenig dystopisch an. Absolute Leseempfehlung und sicher nicht mein letztes Date mit Fitzek.

Der Schwimmer – Zsuzsa Bank

Ein Familiendrama um zwei Kinder, die mit ihrem Vater heimatlos vor der Realität fliehen.

Die Geschichte plätschert seicht vor sich hin. Die Kinder kommen von einer Familie in die nächste und gewöhnen sich mit den immer selben Problemen ein, bis der Vater sich an der Dame des Hauses vergreift und sie weiter ziehen müssen. Die Sicherheit finden die Kinder im Wasser und im Schwimmen. Und dann verließen mich die Geister. In der Geschichte gab es keine Höhen und Tiefen und alles wirkte etwas flach. Nach der Hälfte kapituliere ich also nun.

Des Teufels Gebetsbuch – Markus Heitz

Was für ein Buch. Es geht um ein Kartenspiel, aber nicht irgendeines, denn dieses hat besondere Kräfte. Damit wird auch Thadaeus Boch konfrontiert. Der ehemalige Spielsüchtige arbeitet in einem Casino und weiß um die Macht des Spiels, doch dieses hier ist anders. Superieur ist ein Spiel auf Leben und Tod, denn wer das Pik Ass zieht ist tot. Gespielt wird um die besonderen historischen Karten, die eine unerklärbare Macht auf ihren Besitzer haben. Doch was stellen diese Karten erst an, wenn sie alle wieder vereint werden?

Dieser Frage geht nicht nur Thadaeus auf den Grund, auch eine Menge mächtige Menschen haben es darauf abgesehen. Es beginnt eine Jagd um das Teufels Gebetbuch, was mir vor Spannung so manches Mal den Atem geraubt habt. Parallel taucht man ein in das 18. Jahrhundert, in dem das Kartenspiel noch im geheimen Gemäuern gespielt und unter Strafe stand. Und hier sind wir am Entstehungsort des Höllenblattes. 

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, wie schon lange keines mehr. Ich habe mit den Charakteren mitgefiebert und gejagt, bin eingetaucht und habe gebangt. Ich schätze Markus Heitz sehr für seine Bücher und dieses landet sicher bei meinen Büchern des Jahres.

Die unsichtbare Bibliothek – Genevieve Cogman

Ein fantastischer Roman um die Bibliothekarin Irene und ihren Schüler Kai. Die beiden sind im Auftrag der Bibliothek, die sich in einer Parallelwelt befindet, auf der Jagd nach Büchern. Das Ziel ist die Ansammlung besonderer Exemplare. Sie bedienen sich dabei einer spannenden Fähigkeit, der Sprache. Diese wird stetig verbessert durch die Sammlung der Bücher. Mit dieser besonderen Sprache können  Gegenstände oder auch Menschen befehligt werden, sich zum Bespiel nicht mehr zu bewegen oder zu verändern. Doch nichts geht ohne Widersacher, sodass die Geschichte mit einer ordentlichen Portion Spannung und Verschwörung daher kommt.

Ein aufregender Auftakt in diese Reihe und ich bin ein bisschen verliebt in einige Charaktere. Bücher über Bücher begeistern mich immer wieder besonders und auch dieses kann ich uneingeschränkt weiter empfehlen.