Birdbox – Josh Malerman

Schatz, da gibt es bald einen Film auf Netflix, möchtest du das Buch vorher noch lesen? So fangen viele Bücher bei mir an. Ich sehe einen Film und bereue es dann, dass ich das Buch nicht gelesen habe. Andersherum ist der Film meist schlechter als die eigene Fantasie, aber in dieser Reihenfolge habe ich mir wenigstens kein gutes Buch verdorben. So kam ich also zu Birdbox. Birdbox ist vor Jahren schon als „Der Fluss“ erschienen, jetzt aber anlässlich der Verfilmung neu aufgelegt unter dem Originaltitel, der natürlich auch einen saftigeren Preis zur Folge hat.

Nach einer Leseprobe auf Englisch (auch aus Preisgründen) entschied ich, dass ich dies meistern kann und es ist ganz hervorragend geglückt.

Die Geschichte ist skurril. Irgendetwas treibt die Menschen in den Wahnsinn, bis sie nicht anders können und sich das Leben nehmen. Du kannst dich lediglich schützen, wenn du es, was auch immer es ist, nicht siehst. So wird Melorie gezwungen auf der einen Zeitebene mit zwei Kindern in dieser neuen Welt zurecht zu kommen und ihr Überleben zu sichern. Auf der anderen Ebene findet sie sich in der neuen Situation in einem neuen sozialen Umfeld zunächst ein. Ihr Weg ist phasenweise ungemein spannend und meistens ungewiss, denn nicht nur der Leser, sondern auch die Protagonistin erleben ihre Umgebung meistens blind.

Aus vielen anderen Endzeitromanen weiß man, dass so eine Auslöschen der kompletten Menschheit immer auch zwischenmenschliche Katastrophen mit sich bringt und auch hier werden spannende Passagen in Dunkelheit durch menschliche Krisen unterbrochen und bilden ein gutes Spannungsbild ab. Das Ende lässt mich etwas verwirrt zurück, bietet es doch noch Stoff für mindestens zwei weitere Bücher und ist für mich nicht ganz geglückt. Vorher hat es mich jedoch gut unterhalten und schneidet deswegen trotzdem positiv ab. Eine Empfehlung für Thrillerliebhaber, auch wenn der Thriller hier sicher noch steigerungsfähig wäre. Auf jeden Fall kann hier auch ein sehr guter Film entstanden sein, den ich unbedingt sehen muss.

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Olga – Bernhard Schlink

Von Bernhard Schlink kannte ich bisher nur den Vorleser und der zählt zu den Büchern, die mich in einer Art und Weise berührt haben, dass ich unbedingt mal wieder ein Buch von ihm lesen wollte. Olga begegnete mir in vielen Rezensionen und als es mir auch noch in der Onleihe über den Weg stolperte, musste es auf die Liste.

Die Geschichte ist eine klassische Liebesgeschichte zu einer Zeit, in der die Rollen von Mann und Frau klar gestaltet waren und eine besondere Liebe nicht so selbstverständlich war wie in unserer Zeit. Olga ist ein Mädchen aus eher ärmlichen Verhältnissen, Herbert künftiger Erbe eines Hofes. Sie sind beide Kinder des ersten Weltkrieges und verbringen alle Zeit, die man ihnen zugesteht miteinander. Olga möchte Lehrerin werden und Herbert sucht das große Abenteuer, was sicher nicht dem entspricht, was sich ihre Eltern für sie vorgestellt haben. Aber auch für die beiden ist es schwierig ihre Leben miteinander zu vereinbaren. Dazu bereiten die Nachkriegszeit und ein wieder bevorstehender Krieg weitere Probleme. Weiter begegnen einem andere Personen, die im Leben der beiden eine Rolle spielen und alle auf ihre Art Eindruck hinterlassen.

Man begleitet die beiden auf ihrem gesamten Leben. Olga ist eine tolle Frau, die ich gerne auch in der Realität einmal treffen wollte, Herbert ein Mann, den Frau aus dieser Zeit sicher anbetet.  Schlink schreibt klar und eindrucksvoll. Die Geschichte ist sicher kein Überflieger, aber der Ausflug mit den Beiden war schön.

In Kalabrien – Peter S.Beagle

Ein Coverkauf, mal wieder. Aber hätte ich gewusst, wen ich mir da ins Haus hole, wäre ich viel früher mutig gewesen. Wir sprechen hier von dem Autor des letzten Einhorns. Wie großartig dieser Film ist und wie toll, von dem Autor noch etwas lesen zu können.

Wir sind in einem Bergdorf in Süditalien. Claudio lebt für sich mit seinen Türen abseits der Zivilisation. Alleine der Postbote besucht ihn gelegentlich und er ist mit diesem Zustand sehr glücklich. Bis eines Tages ein Einhorn auf seiner Weide erscheint. Dieses magische Wesen stellt alles auf den Kopf, denn auf einmal haben nicht nur die Dorfbewohner Interesse an ihm und seinem Leben. Für Claudio beginnt eine aufregende, gefährliche und wunderschöne Zeit.

Das Buch war ein sehr kurzer, schöner Ausflug, zeitweise ein bisschen skurril, wir reden schließlich über Einhörner. Sprachlich war es unheimlich schön und ein bisschen wie Urlaub. Eine Empfehlung für alle, die sich einfach auf etwas Schönes auflassen wollen.

Erlösung – Jussi Adler Olsen

Der dritte Fall des skurrilen Carl Mörck und seinem Ermittlerteam hat mich wieder völlig vereinnahmt. Über den zweiten Teil Schändung habe ich bereits vor einiger Zeit berichtet.

In diesem Fall beginnt alles mit einer Flaschenpost, die schon vor Jahren abgeschickt worden zu sein scheint. Der Inhalt ist nur noch schwer zu erkennen, doch schnell wird klar, dass es hier um eine Entführung geht, das Team setzt sich sofort an die Rekonstruktion, um das Opfer noch retten oder finden zu können. Parallel erfährt der Leser von weiteren Fällen, in denen schnell deutlich wird, dass hier religiöse Sekten beteiligt sind, in denen ein eigenes Werte- und Rechtssystem die Ermittlungen erschwert und blockiert.

Über das ganze Buch wurde für mich eine wahnsinnige Spannung aufrecht gehalten, auch ich das Thema Religion und Kindesentführung erstmal nicht zu meinen Spannungsgaranten zählen würde. Die Geschichte wird erneut aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert, was es zusätzlich interessant macht. Sehr viel mehr kann ich zum Inhalt gar nicht schreiben, ohne dabei Spannung vorweg zu nehmen.

Gleichzeitig tut sich wieder einiges im Ermittlungsteam, was mich mit einem Schmunzeln oder auch traurig zurückließ. Die Charaktere sind mir über die drei Bände wirklich ans Herz gewachsen und ich bin froh, dass ich noch ein paar Teile vor mir habe. Auch der Bösewicht hat mich immer wieder schaudern lassen, wurde er in seinem Wahnsinn so treffend erfasst und dargestellt, dass ich an manchen Stellen abends nicht mehr ohne Licht durch die Wohnung laufen konnte. Absolute Leseempfehlung für Fans skandinavischer Krimis.

Der Galgen von Tyburn

Endlich wieder ein Peter Grant. Nach dem letzten Teil Fingerhutsommer sind schon einige Wochen vergangen und es kribbelte wieder, dringend Zeit für einen neuen Ausflug in den Untergrund Londons.

Im mittlerweile sechsten Teil der Serie um den magischen Ermittler, werden viele alte Beziehungen und Konflikte wieder aufgegriffen, was für mich in diesem Teil auch absolut im Vordergrund stand. Als ich mich im Anschluss gefragt habe, was eigentlich genau den Fall ausgemacht habe, konnte ich es gar nicht genau greifen. Es wurde an vielen Stellen ermittelt, ein klassisches Verbrechen mit dem Tod eines Teenagers ist zunächst der Ausgangspunkt aller Verhöre. Die Freundinnen des Opfers wollen zunächst nichts damit zu tun haben. Die Nachforschungen führen Peter schnell über die Grenze zu seinem Privatleben, denn ins Visier der Ermittlungen gerät die Familie um Lady Ty, zu der auch seine Freundin Beverly zählt. Auch eine alte Bekannte lässt sich wieder blicken und bringt alte Gefühle und brachliegende Fälle wieder in den Fluss.

Die Peter Grant Bücher beinhalten immer die Garantie für einen besonderen englischen Humor. Die gleichzeitige Mitwirkung des Autors an der Doctor Who Serie ist für mich immer wieder spürbar. Die Geschichte ist sicherlich nicht die Stärkste der Reihe, jedoch sind die Charaktere und ihre Beziehungen mittlerweile so gefestigt für mich als Leser, dass ich ab der ersten Seite völlig einsteigen kann und mich gleich wieder wohl fühle.

Das Labyrinth von London – Benedict Jacka

Ein absoluter Coverkauf ist dieses wunderschöne Exemplar. Meine Liebe zu allem Fantastischen hat mich so geblendet, dass ich nicht einmal bemerkt habe, dass ich damit ohne Sicherheitsgurt in eine (nach aktuellem Stand) 10(!!!) teilige Reihe gerutscht bin, von denen jetzt das Erste ins Deutsche übersetzt wurde. Reihen lassen mich immer sehr uneinig zurück, denn nach einer Fantasy oder Horrorgeschichte benötige ich immer einem Genrewechsel. Danach strecke ich meine Fühler meist in alle Richtungen und bis ich zu der Serie zurückfinde, habe ich den Anschluss verpasst und benötige erst einmal eine gewisse Zeit, um in die Geschichte zurückzufinden. Ein großartiger Vorteil ist natürlich, dass man mehr Zeit mit tollen Charakteren verbringen kann.

Im Labyrinth von London durfte ich Alex Verus kennenlernen. Er ist Wahrsager und besitzt einen Laden für Magie. Hier lebte er bisher ein friedliches Leben, hält sich aus den Machtspielen der Londoner Magier heraus. An seiner Seite Luna, eine Empfindsame, die Magie spürt, aber nicht wirken kann. Dazu umgibt sie ein Fluch, der sie vor jeglicher Annäherung schützt, unfreiwilliger, aber eben auch erwünschter. Ein seltsamer Fund zieht sie beide tief in den Untergrund und ein Abenteuer, welches sich keiner der beiden so ausmalen konnte.

Die Geschichte war großartig, spannend und Alex ist ein echt smarter Typ. Parallelen zu Peter Grant, John Taylor und Harry Dresden sind mir dabei immer wieder in den Sinn gekommen und doch hebt es sich ab. Ich befürchte, ich werde mich wohl mal an englische Fantasy wagen müssen, denn bis zur nächsten Übersetzung kann ich sicher nicht warten.

Die Herrenausstatterin – Mariana Leky

Mariana Levy hat mich vor Kurzem erst mit „Was man von hier aus sehen kann“ schwer beeindruckt und entgegen meinem sonstigen Wunsch nach einer Pause von einem Genre oder Autor, erging es mir dieses Mal anders und ich hatte sofort Lust auf eine weitere Geschichte dieser besonderen Autorin.

In diesem Buch begegnete ich Katja, die durch schwere Zeiten hindurch muss und dabei so absolut menschlich ist. Sie verliert ihren Mann, nachdem sie sich gerade erst in ihrem Leben eingefunden hat. Doch was ihr daraufhin passiert, ist das eigentlich Beeindruckende. Die Menschen, die sie nun auf ihrem Weg begleiten, fangen sie auf, ohne es zu beabsichtigen. Einer der beiden weilt nicht einmal mehr unter den Lebenden, der andere klopft nach einem Feuerwehreinsatz zufällig an ihrer Tür, um mit ihr ein wenig Astronautenkost zu trinken. Sie sind mit einer Selbstverständlichkeit an ihrer Seite, die sich jeder in so einer schweren Zeit wünschen würde, nehmen sie mit ihrer Trauer an, wie sie es benötigt.

Wie auch in dem vorangegangenen Buch sind alle Charaktere auf ihre Weise sehr skurril und besonders charmant. Die Dinge, die sie zusammen erleben sind manchmal so herrlich alltäglich, dass es sich anfühlt, als wäre man mit guten Freunden unterwegs. Die Geschichte hat eine besondere Wärme vermittelt, nicht ohne das Fünkchen liebevollen Wahnsinn, auf den ich gehofft hatte.